Quelle: www.Grundschulhelfer.de.vu
1. Darstellung didaktischer Entscheidungen und deren Begründung
1.1.Thematische Einordnung
Das Stundenthema gliedert sich im Lehrplan Deutsch, Klasse 3, in den Lernbereich 1,
Weiterführendes Lesen ein. Dabei handelt es sich um die Inhalte des Sinnverstehenden
Lesens, sowie den Umgang mit Texten (Lehrplan S.12). Die Schüler sollen sich den Inhalt
eines Gedichtes selbst erschließen. Dies geschieht differenziert, denn es stehen 4 Arten
verschiedenen Schwierigkeitsgrades zur Verfügung. Dadurch wird das sinnverstehende Lesen
geübt, und durch Vortragen und Bewußtmachen des Nutzens (als kreatives
Muttertagsgeschenk) werden die Schüler zum Umgang mit dem Text angeleitet. Dabei geht es
auch um das Erkennen, Gedichte als Ausdruck der Liebe zu gebrauchen (Lehrplan S. 17 f.). Da die
Behandlung von Gedichten regelmäßig in den Unterricht einbezogen werden soll (siehe
Lp S. 17 - Hinweise), ist diese Stunde an keinen speziellen Stoffabschnitt gebunden. Aus
aktuellem Anlass (Muttertag, 10 Mai) lernen die Kinder ein Muttertagsgedicht kennen. Für
die Behandlung des Gedichts stehen 2 Stunden zur Verfügung. In der ersten Stunde soll der
Inhalt erschlossen werden. Außerdem beginnen die Schüler, ihr eigenes "literarisches
Werk" als Geschenk zu gestalten. Dies soll in der zweiten Stunde abgeschlossen werden. Eine
Auswertung und Präsentation stellt deren Abschluss dar. Da die "Bücherkiste" vom
Verlag Volk und Wissen kein Muttertagsgedicht beinhaltet, griff ich auf ein mir zur
Verfügung stehendes Gedicht von Ursula Wölfel zurück (siehe Anhang).
1.2. Sachanalyse
- Um welche Sache geht es? Was soll der Schüler lernen?
Der Schüler lernt in dieser Stunde ein Gedicht kennen und setzt sich handlungsorientiert
damit auseinander. Dabei lernt er mit der Textform Gedicht umzugehen und sie einzuordnen. Er
begreift den Sinn eines Gedichtes, dass damit zum Beispiel Liebe zum Ausdruck kommen kann. Er
erkennt, festigt und wendet den Textaufbau (Strophen, Reime) an. Durch verschiedene
Einsetzungsverfahren setzt er sich intensiv mit dem Sinn des Textes auseinander und verwendet
dann treffende Wörter an den entsprechenden Stellen. Da alles handlungsorientiert
abläuft, vollzieht sich eine aktive Auseinandersetzung mit dem Lerngegenstand. Das
ästhetische Gestalten eines Textes ist ein weiterer Gesichtspunkt des Lernprozesses.
- Welche fachwissenschaftlichen Grundlagen sind für den Lerngegenstand bedeutsam?
Bei all meinen Überlegungen zur Aufbereitung dieses Themas halte ich mich an die Wege der
Texterschließung (Grundschulzeitschrift 79 / 94). Hier gibt es sechs Wege.
- Gedicht aufschreiben: Dabei bestimmt das Wort in der Bedeutung die Schriftart. Bsp.: w e i t , eng Raumaufteilung, Schriftstärke und Farbe sind hier wesentliche Punkte.
- Eigenes Gedicht schaffen: Bei einem Gedicht Wörter löschen, aber ein Sprachmuster vorgeben. Die Kinder wählen hier inhaltlich aus. (Ab 1) Viele Wörter in einem Haufen darstellen, sodass die Kinder diese einsetzen müssen. (Ab 2) Die Kinder schaffen ihr eigenes Gedicht, indem die Wörter komplett gelöscht sind. Durch das Einsetzen wird die Kreativität und Phantasie angeregt. (Ab 3) Ein Gedicht zusammensetzen. Dabei sollte der Anfang und das Ende gekennzeichnet sein. Alle anderen Zeilen werden den Schülern gemischt angeboten.
- Ein Gedicht ber körperliche Ausdrucksform erschließen: Diese Art ist besonders für Fluch- und Schimpfgedichte geeignet und geschieht vorwiegend pantomimisch.
- Gedichte vermischen: Dabei werden kurze Gedichte miteinander vermischt und sollen von den Schülern getrennt werden.
- Analoggedichte schaffen: Nach dem Vorgeben eines Gedichtes ein ähnliches erstellen.
- Gedicht mit Farbe darstellen: Farbe spielt dabei die entscheidende Rolle. Diese Farbe spiegelt den Inhalt wieder und es entsteht ein Farbengedicht.
Bei der Auswahl meines Weges zur Erschließung des Lerngegenstandes berief ich mich auf
vorherige Versuche im Unterricht. Dabei machte den Schülern das eigene Gedicht schaffen am
meisten Freude. Wichtig erscheinen mir noch Begriffe, wie: Lesen, Lesenkönnen, komplexe
Leseleistung, Kinderlyrik und Reim. Lesen ist eine menschliche Tätigkeit. Es
ist ein Verstehensvorgang und liegt analytisch - synthetischen Operationen zugrunde. Zum
Lesenkönnen gehören Kenntnisse, Fähigkeiten, Gewohnheiten, Einstellung
und die Lesefertigkeit. Diese bildet zugleich das Kernstück des Lesenkönnens. Eine
komplexe Leseleistung zeichnet sich durch Leseflüssigkeit, Lesegeschwindigkeit,
Lesesicherheit, Lesegenauigkeit, Leseverständnis, Lesemotivation und Leseinteresse aus.
Für das weiterführende Lesen sind die Komponenten Leseflüssigkeit und
Leseverständnis von Bedeutung an dessen Inhalten auch in meiner Stunde gearbeitet wird.
Lyrik kann man in 4 Gebiete einteilen:
- Erlebnis- und Stimmungslyrik (Natur-, Liebeslyrik) Sie stellt Gegenstände (Mensch, Natur, Ding) kommentarlos dar.
- Reflexionslyrik (Gedankenlyrik) Der Reflexions- und Abstraktionsgrad ist hier höher. Eine Reflexion über den Gegenstand ist Thema.
- Geschehenslyrik (Ballade, Moritat) Texte, die persönliche oder gesellschaftliche Probleme als Geschichte zur Sprache bringen.
- Sprachspiele (Reimspiele, verkehrte Welt, Lügen, Nonsens). Hierbei ist die Sprache selbst Thema. Es geschieht ein spielerischer Umgang.
Merkmale der Kinderlyrik: sie sind ausdrücklich für Kinder verfasst, es besteht eine überschaubare Gliederung, ein einfaches Metrum, Endreim, Wiederholungen, ..., Abweichungen von der Umgangssprache sind gering, meist optimistischer Grundtenor, Zustimmung zur Welt und zum Leben spürbar, üpar Abstraktionsgrad den kindlichen Leser berücksichtigt (vgl. Ak Gs).
Ein Reim ist ein Ausdrucksmittel der gebundenen Sprache, der Gleichklang des Auslautes mehrerer Wörter, besonders am Ende von Verszeilen. (vgl "Der Brockhaus" Lex.) Man unterscheidet den Endreim (Gleichklang der letzten betonten und der ihr folgenden unbetonten Silben), den Binnenreim (in der Mitte der Verszeile) und den Stabreim (gleicher Anlaut bei betonten Silben im Vers). Das Muttertagsgedicht von Ursula Wölfel kann man der Kinderlyrik zuordnen. Es zeichnet sich durch eine einfache Gliederung, den Endreim (Kreuzreim) und das Thema aus. Es zählt zur Reflexioslyrik. Die Schüler sollen ihre Gedanken zum Muttertag und ihre Gefühle zur Mutter zum Ausdruck bringen. Der Muttertag gilt als Tag der besonderen Ehrung der Mutter, welcher am 2. Maisonntag begangen wird. Er entstand in der USA und wurde 1923 erstmalig in Deutschland gefeiert.
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Welche fächerübergreifende Zusammenhänge gibt es?
Natürlich besteht eine direkte Verbindung zum Weiterführenden
Schreiben. Das zweckentsprechende und ästhetische Gestalten von Wörtern und Texten
ist ebenfalls Lerngegenstand, der aber in dieser 1. Stunde nur begonnen wird.
Übersichtliches Gestalten von Texten, sowie Hervorhebungen und Rahmengestaltung sind
Lehrplaninhalte und sollen von den Kindern selbständig vorgenommen werden. Selbstredend
ist eine Verbindung zum Fach Kunsterziehung vorhanden.
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Welche Zugänge zum Lerngegenstand lassen sich nutzen?
Als Einstieg in diese Lesestunde nutze ich ein gefühlsbetontes Gedicht von
Frantz Wittkamp.Über dieses Gedicht sollen die Schüler erkennen, dass Gefühle in
Gedichten zum Ausdruck kommen können. Sie versuchen, ein Thema für diese Art Lyrik zu
finden. Aus aktuellen Anlass kommen die Kinder auf Muttertag und überlegen sich
Möglichkeiten für Geschenke. Eine Möglichkeit wäre ein selbstentworfenes
und selbstgestaltetes Gedicht. Wegen den unterschiedlichen Lernvoraussetzungen können die
Schüler eine Vorlage (aus vier) wählen. Somit entstehen bei den Schülern
ähnliche aber eigene Gedichte.
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In welchen Schritten kann die Sache erschlossen werden?
Der erste Schritt ist das Erkennen einer gefühlsbetonten Dichtung und deren
Zweck. Über handlungsorientiertes Lernen gestalten die Schüler ihr "eigenes" Gedicht
und setzen sich mit dem Lerngegenstand aktiv auseinander. Treffende Wörter müssen
eingesetzt und deshalb der Sinn verstanden werden. Das ästhetische Gestalten des Produktes
des Lernprozesses dient dem sinnvollen Abschluss.
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Welche Schwierigkeiten kann es für den Schüler bei der Auseinandersetzung mit dem
Lerngegenstand geben?
Schwierigkeiten könnten bei der Wahl des Arbeitsblattes auftreten. Manche
Kinder könnten sich eine zu große Anforderung wählen, andere könnten
wiederum eine zu geringe Anforderung wählen. Hierbei sollte flexibel getauscht werden
können.
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Wie kann der Lerngegenstand durch Unterrichtsmedien dargestellt werden?
Der Einstieg mit dem Gedicht von Frantz Wittkamp steht für alle sichtbar an
der Tafel. Die abgeleiteten Möglichkeiten über Formen von Geschenken zum Muttertag
werden als Vervollständigung des Tafelbildes genutzt. Außerdem bietet die Tafel eine
Anleitung zum selbständigen handeln und zugleich zur Zielorientierung (was erreicht werden
soll). Das zweite wichtige Medium nach der Tafel bilden 4 verschiedene, von mir entworfene,
Arbeitsblätter. Diese liegen in 10-facher Ausführung bereit.
1.3. Bedingungsanalyse
1.3.1. Lernvoraussetzungen der Schüler
1.3.2. Voraussetzungen beim Lehrenden
1.3.3. Organisatorische Bedingungen ...
2.Lernziele der Unterrichtsstunde
Die Schüler
- erkennen das Gedicht als eine Darstellungsform von Gefühlen.
- setzen sich handlungsorientiert mit dem Gedicht auseinander und finden dabei treffende Wörter. Das Sinnverstehende Lesen steht im Vordergrund.
- arbeiten an ihrer sprachlichen Darstellung und am ausdrucksvollen Vortrag (Partnervortrag, Klassenvortrag).
- arbeiten weiter an der Entwicklung der ästhetischen Gestaltung von Texten.
3. Darstellung des Verlaufs
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4. Begründung des Verlaufs
Ausgehend vom aktuellen Anlass des Muttertages griff ich auf ein Gedicht von Ursula Wölfel zurück.
Da die "Bücherkiste" vom Verlag Volk und Wissen kein Gedicht zu diesem Thema anbietet,
wurde ich auf dieses Gedicht aus der "Pusteblume" aufmerksam. Da Gedichte laut Lehrplan
regelmäßig in den Unterricht mit einbezogen werden sollen, und es sich um die erste
Stunde dazu handelt, bedarf es keiner Vorbetrachtung. Anhand der Wege der
Gedichterschließung wählte ich den Aufbau der Unterrichtsstunde. Da das
Leistungspotential in dieser Klasse sehr unterschiedlich ist, entschied ich mich für eine
umfassende Differenzierung. Somit kann jeder Schüler nach seinen Fähigkeiten, aber
auch nach seinen Neigungen auswählen und den Umfang des Lerngegenstandes selbst bestimmen.
Normalerweise findet in der ersten Stunde am Mittwoch immer ein 10 minütiger Rätsel
und Witze Abschnitt statt. Allerdings möchte ich heute darauf verzichten, um Zeitgewinn
für die ästhetische Gestaltung zu schaffen. Diese 10 Minuten werden auf einen anderen
Wochentag geschoben. Für den Einstieg soll diesmal ein Gedicht von Frantz Wittkamp sorgen,
welches ich ebenfalls in der "Pusteblume" fand. Diese gefühlsbetonte Dichtung ist
kindgemäß und bietet meiner Meinung nach eine gute Hinführung zum Lerngegenstand.
Da ich das Gedicht bei den Schülern erst einmal wirken lassen möchte und deren
spontane Reaktion abwarten will, erfolgt die Zielorientierung und Zielmotivierung erst nach
diesem Gedicht. Hierbei sollte während des Einstiegsgedichtes schon ein Ziel des
Unterrichts erreicht werden, nämlich das Wiedergeben von Gefühlen in Gedichten.
Über die Anleitung zur Herstellung eines Gedichtblattes (Karte) soll bei den Kindern
Freude über das entstehende Produkt und dessen Sinn geweckt werden. Außerdem
beinhaltet diese eine Zielorientierung. Beim Auseinandersetzen mit dieser Form des Gedichts
(gelöschte Wörter) steht das sinnverstehende Lesen im Vordergrund. Die Schüler
müssen das Gelesene verstehen, um treffende Wörter einzusetzen (Ziel 2). Die Wahl der
Partnerarbeit schließt sich aus der Effektivität. Hierbei liest jeder Schüler
sein Gedicht mindestens einmal laut vor. Der Partner sollte auch hilfreich zur Seite stehen und
seinen Partner einschätzen bzw. berichtigen und helfen (Arbeit am sozialen Verhalten -
steht aber nicht als Hauptziel der Stunde, da nicht direkt darauf eingegangen wird). Beim
Klassenvortrag geht es weiter um die Ausbildung der sprachlichen Gestaltung (Ziel 3).
Außerdem dient der ausdrucksvolle Vortrag nochmals zur Kontrolle. Begonnen werden soll
auch die mit der ästhetische Gestaltung. Zumindestens sollte jeder Schüler sich
über seine Form des Blattes oder der Karte Gedanken machen und dies soweit er kommt
vorbereiten. Somit kann in der nächsten Stunde das Schriftbild gestaltet werden und ein
passender Rahmen hergestellt werden. Damit in der 2. Stunde kein Zeitdruck herrscht und die
Qualität darunter leidet, wählte ich eben eine Vorbereitung des Blattes oder der
Karte in dieser Stunde.
Literatur
- Arbeitskreis GS: Lyrik für Kinder, Bd. 76, 1993
- Grundschulzeitschrift 79 /94
- Lange, G.: Taschenbuch des Deutschunterrichts Bd.1 Schneider Verlag Hohengehren 1994
- Lehrplan Grundschule Deutsch Klasse 1 - 4
Quelle: www.Grundschulhelfer.de.vu