Quelle: www.Grundschulhelfer.de.vu
1. Darstellung didaktischer Entscheidungen und deren Begründung
1.1.Thematische Einordnung
Das Stundenthema gliedert sich im Lehrplan Mathematik, Klasse 3, in die Lernbereiche 1, 2, 3
und 4. Es sind also alle Lernbereiche angesprochen. Dies liegt daran, da es sich um einen
Werkstattunterricht handelt. Es ist die erste Stunde dieser Unterrichtsform, welche sich über
fünf Stunden erstreckt. Vorausgegangen sind insgesamt 13 Stunden zu den Themengebieten, die in
dieser Werkstatt geübt werden sollen. Im einzelnen sind das:
- 5 Stunden zum Lernbereich 2 - Größen (Kilogramm und Gramm),
- 2 Stunden zum Lernbereich 3 - Sachaufgaben (Lösen von Sachaufgaben mit Überschlag),
- 4 Stunden zum Lernbereich 1 - Arithmetik (Vielfache und Teiler, Multiplizieren und
Dividieren von Einer- und Zehnerzahlen),
- 2 Stunden zum Lernbereich 4 - Geometrie (Würfelnetze und Quadernetze).
In allen vorangegangenen Stunden ging es um Einführungsstunden, aber auch schon um die gezielte
Anwendung des erworbenen Wissens. Es handelt sich also bei der Werkstatt nicht um die erste
Anwendung, sondern um die komplexe Betrachtung der einzelnen Stoffgebiete. Somit fasse ich die
zusammenfassende Übung in dieser Form der Unterrichtsgestaltung als eigene Stoffeinheit
zusammen.
1.2. Sachanalyse
- Um welche Sache geht es? Was soll der Schüler lernen ?
Bei dieser Stunde handelt es sich um eine von fünf aufeinanderfolgenden Übungsstunden.
Vorangegangene Stoffgebiete werden in Form einer Lernwerkstatt wiederholt. Dabei müssen die
Schüler ihr erworbenes Wissen anwenden. Ich möchte mit diesen umfangreichen Übungsangebot das
sogenannte „Schubkastendenken" ausgrenzen und themenübergreifend die Schüler arbeiten lassen.
Im einzelnen handelt es sich um Aufgaben aus allen vier Lernbereichen des Lehrplanes (vgl. 1.
Thematische Einordnung und Anhang).
- Welche fachwissenschaftlichen Grundlagen sind für den Lerngegenstand bedeutsam?
Der Übungsgestaltung im Mathematikunterricht liegen verschiedene Ansätze zu Grunde.
Im folgenden möchte ich auf zwei Autoren näher eingehen. Die Übungsgestaltung nach LAUTER
unterteilt sich in 4 Übungsformen:
- Operatives Üben - Es dient der Vertiefung und Verbreiterung des Verständnisses.
Ziel ist nicht der Automatismus, sondern die klare, aufgefasste Operation, die durch
Eigenschaften, wie Reversibilität, Assoziativität und Kompositionsfähigkeit bestimmt wird.
Dabei wird konkretes Material verwendet.
- Vormechanisches Üben - Es ist das Übergangsstadium zwischen operativen und
mechanischen Üben (III. Stufe). Die zu Grunde liegende Vorstellungen werden nicht mehr durch
konkrete Vorstellungen hervorgerufen. Ein Rückbezug ist immer noch möglich.
- Mechanisches Üben - Hier werden Verfahren eingeschliffen, oder Sätze auswendig
gelernt (Drill). Ein Wechsel von Methoden und Übungsformen sollte angestrebt werden.
- Zehn-Minuten-Rechnen - Kann man auch als Tägliche Übung bezeichnen. Dient als
Aufwärmphase des Unterrichts und zur Sicherung des Ausgangsniveaus. Die allgemeine
Rechenfähigkeit und -sicherheit soll damit gesteigert werden.
Vergleichend dazu unterscheidet RADATZ / SCHIPPER 5 Übungsformen:
- Automatisierendes Üben - Grundkenntnisse und elementare Techniken sollen bis
zur sicheren Beherrschung eingeübt werden. Dahinter steht das Prinzip des algorithmischen
Lernens.
-
- Operatives Üben - Der Ausbau der Beweglichkeit des Denkens durch das Herstellen
vielfältiger Beziehungen und Zusammenhänge ist das Ziel dieser Stufe und stellt das Operative
Prinzip dar.
- Üben durch Anwenden - hier geht es um die Übertragung des Gelernten auf neue
Fragestellungen und Situationen. Prinzip der Anwendungsorientierung
- Zehn-Minuten-Rechnen - Es ist das Wiederholende oder Vorbereitende Üben.
Prinzip der Stabilisierung. (vgl. Radatz / Schipper)
Prinzipiell kann man sagen, dass kein all zu großer Unterschied zwischen den beiden Ansätzen
vorhanden ist. RADATZ / SCHIPPER nennt eine Form mehr und unterscheidet demnach genauer. Mir
persönlich gefällt der Ansatz von LAUTER besser. Er ist für mich klarer und findet auch in
"meiner" Methodik in dieser Art seine Anwendung. Durch einen Wechsel der Übungsformen lassen
sich alle 4 Übungen übertragen.
- Welche Zugänge zum Lerngegenstand lassen sich nutzen
und welche Tätigkeiten muss der Schüler ausführen, damit er den Gegenstand richtig erfasst?
Zur Durchführung des Übungsprozesses wähle ich eine besondere Unterrichtsform, den
Werkstattunterricht. Dieser ist eine vielschichtige und vielseitige Form, die Arbeit in einer
Lernwerkstatt zu intensivieren. Reichen spricht von einer „Kompetenz- und Aufgabendelegation"
(vgl. Reichen, Rundbrief). Dies bedeutet, jeden Schüler mit bestimmten, effektiven Funktionen
der Lehrerrolle verantwortlich zu betrauen. Der Lehrer fördert also die Selbständigkeit der
Schüler eben dadurch, dass er ihnen die Selbständigkeit gewährt, d.h. darauf verzichtet, alles
selber vorzugeben, vorzumachen, anzuleiten, usw. Im Werkstattunterricht kann man jedem Schüler
Aufgaben zuweisen, die traditionell zu denen des Lehrers gehören. So überlässt man z.B. jedem
Schüler die Verantwortlichkeit für ein Lernangebot. Neben seiner Hauptaufgabe, in der
Lernwerkstatt zu arbeiten und zumindest die Pflichtaufgaben zu erledigen, übernimmt der Schüler
noch die Betreuung eines der Lernangebote. Er ist für seine Aufgabe „Chef" und kann seinen
Kameraden bei Schwierigkeiten helfen. Voraussetzung ist natürlich die Bewältigung seiner
Aufgabe als ersten Schritt. Dabei kann er vom Lehrer unterstützt werden, welcher auch die
erledigte Aufgabe kontrolliert. Erst dann ist der Schüler berechtigt, anderen Kindern eine
Unterschrift für die Erledigung zu geben. Dabei kontrolliert der „Chef" Aufgaben der Schüler,
die zur Kontrolle zu ihm kommen und ihn bitten, auf Richtigkeit, aber auch auf Sauberkeit, zu
prüfen. Die Unterschrift bestätigt die ordnungsgemäße Erledigung der Aufgabe.
Individuelle Stärken und Schwächen der einzelnen Schüler bringen es natürlich mit sich, dass
nicht jedes Kind für jede Aufgabe gleichermaßen geeignet ist. Doch dies darf nicht dazu bewegen,
ein Kind zum Vornherein von bestimmten Kompetenzendelegation auszuschließen. Dies bedeutet
Chancengleichheit für alle Schüler (vgl. Reichen, ebd.).
Der Schüler setzt sich also aktiv mit dem Lernangebot auseinander. Dabei kann er auch mit einem
Partner arbeiten, hat aber bei seiner Chef-Rolle in Eigenverantwortung zu handeln. Die
Selbständigkeit der Schüler zu fördern steht im Mittelpunkt dieser Unterrichtsform. Außerdem
werden Selbstvertrauen und Verantwortungsgefühl ausgebildet, und es vertieft sich bei den
Kindern das Beziehungsgeflecht. Es kommt zum allgemeinen Lernaustausch.
- In welchen Schritten kann die Sache erschlossen werden?
Da es sich um eine Einführungsstunde zu dieser Werkstatt handelt, ist der erste Schritt die
Wiederholung der Freiarbeitsregeln (siehe Unterrichtsverlauf).
Weiterhin folgt das Vorstellen und Erklären der Aufgaben, sowie das Festlegen der "Chef´s".
Nach eventuell auftretenden Fragen gehen die Schüler zum selbständigen Üben und Anwenden
erworbenen Wissens über.
- Welche fachinternen und fächerübergreifende Zusammenhänge gibt es?
Diese Werkstatt soll fächerübergreifend arbeiten. Es gibt Zusammenhänge zum Werkunterricht
(basteln eines Würfels, zurechtschneiden der Puzzleteile für das Sachrechen-Puzzle,
zusammenbauen der Körpernetze mit dem Geo-Fix Kasten) und zur Kunsterziehung (Mandala). Das
Lernen vollzieht sich mit Kopf, Herz und Hand und leistet seinerseits seinen Beitrag zum
Bildungs- und Erziehungsauftrag der Grundschule.
- Welche Schwierigkeiten kann es für den Schüler bei der Auseinandersetzung mit dem Lerngegenstand geben ?
Grundlegende Schwierigkeiten dürften nicht auftreten, da es sich um gefestigte Lerninhalte
handelt. Werkstattunterricht als Unterrichtsform ist den Schülern bekannt. Sie kennen dessen
Regeln und dessen Prinzip. Möglich wären aber technische Mängel, wie ein „Computerabsturz".
- Wie kann der Lerngegenstand durch Unterrichtsmedien dargestellt werden?
Eine Lernwerkstatt lebt von einem zahlreichen Angebot an Aufgaben und einer Medienvielfalt.
Dadurch soll erreicht werden, dass keine Langeweile auftritt. Arbeitsblätter, die größtenteils
von mir erstellt wurden (um themenspezifisch zu arbeiten), bilden die Grundlage dieser
Werkstatt. Abwechslung bringt ein "Drill and Practise" - Lernprogramm für den Computer
("Blitzrechnen" Klett Verlag). Hier werden Grundrechenaufgaben geübt. Ein Ausdruck der
gerechneten Aufgaben bestätigt das mathematische Handeln am PC, welcher sich im Klassenzimmer
befindet.
Weiterhin biete ich den Baukasten "Geo-Fix" an. Hier wird handlungsorientiert gearbeitet. Die
Arbeitshefte der Schüler lassen ebenfalls Übungen zu einigen Gebieten zu. Bei vorangegangenen
Stoffgebieten plante ich hier das Auslassen bestimmter Übungen. Ein Mandala stellt sich hier
als eigenes Medium dar. Der Begriff Mandala kommt aus dem Sanskrit und bedeutet sowohl Zentrum
als auch Kreis (vgl. "Brockhaus").
Es soll zur Beruhigung und Sich-Selbst-Findung beitragen (vgl. Aufgabenstellung W 12).
Umfangreiche Kopiermaßnahmen gehen der Werkstatt voraus.
1.3. Bedingungsanalyse
1.3.1. Lernvoraussetzungen der Schüler
1.3.2. Voraussetzungen beim Lehrenden
1.3.3. Organisatorische Bedingungen ...
2.Lernziele der Unterrichtsstunde
Der Schüler
- vertieft Lösungsverfahren und arbeitet an der selbständigen Lösung von Aufgaben,
- erkennt verschiedene Aufgaben in unterschiedlichen Darstellungsformen und kann diese
lösen (Sachaufgaben, PC, verschiedene Typen),
- vertieft Raumerfahrungen (Denkaufgabe, Geo-Fix, Rechenwürfel),
- entwickelt zeichnerisches Darstellungsvermögen (Freihandzeichnen),
- arbeitet weiter an dem sozialen Verhalten in der Klasse,
- arbeitet an seiner Selbständigkeit und übernimmt Verantwortungsbewußtsein in seiner
Rolle als Chef.
3. Darstellung des Verlaufs
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4. Begründung des Verlaufs
Ausgehend der Übungsgestaltung nach dem Ansatz von LAUTER baue ich Übungsstunden auf. Ein
Wechsel der Methoden ist dabei Grundvoraussetzung. Für die verschiedensten Übungsinhalte dieser
Stunde(n) wählte ich den Werkstattunterricht als eine spezifische Unterrichtsform aus. Er lässt
vielfältige Formen und Möglichkeiten von Lernangeboten und von Lernen zu. Dabei werden die
Schüler zur Selbständigkeit und Eigenverantwortung erzogen. Die Möglichkeit zum individuellen
Lernen und das Angebot an Arbeits- und „Experimentierplätzen" sind wichtige Argumente, um beim
Schüler Erfahrungen und Einsichten zu gewinnen, wie sie im Frontalunterricht kaum realisierbar
wären. Der Lehrer hat außerdem die Möglichkeit, sich vertieft mit einzelnen Schülern und ihren
Lernen auseinanderzusetzen und sie individuell zu fördern. All diese Kriterien machen mich zu
einem Befürworter dieser Unterrichtsform. Demzufolge baute ich so meine Übungsstunde(n) auf.
Natürlich stehen neben den Erziehungszielen die Lernziele im Vordergrund. In erster Linie soll
der Unterrichtsstoff der letzten Stunden wiederholt, geübt und angewendet werden. Durch die
Ballung des Übungsstoffes soll das „Schubkastendenken" vermieden werden.
Einzelne Übungen sind bereits erläutert worden.
Wichtig erscheint mir noch das Vorstellen und Erklären der Übungen. Dabei soll den Schülern ein
Überblick über den Umfang der Werkstatt vermittelt werden. Eventuelle Fragen können gleich
beantwortet werden. Das Wiederholen der Regeln soll die Schüler zum angemessenen Umgang in der
Klasse befähigen.
Literatur
- Lauter, Josef: Methodik der Grundschulmathematik. Auer, Donauwörth 1989
- Lehrplan Grundschule Mathematik Klasse 1 - 4. Sächsisches Staatsministerium für Kultus,
Dresden 1992
- Radatz, Hendrik / Schipper, Wilhelm: Handbuch für den Mathematikunterricht an
Grundschulen. Schroedel, Hannover 1983
- Reichen, Jürgen: Faltblatt „Lesen durch Schreiben".Otto Heinevetter, Hamburg 1997
(Elternrundbrief)
Quelle: www.Grundschulhelfer.de.vu