Quelle: www.Grundschulhelfer.de.vu
1. Darstellung didaktischer Entscheidungen und deren Begründung
1.1.Thematische Einordnung
Das Stundenthema „Einführung des Aufhockens auf den Kasten" gliedert sich im Lehrplan Sport der
Grundschule in die Turnübungen in den Lernbereich 4, „beidbeinig abspringen und 'fliegen' ".
Das Stoffgebiet Turnübungen ist seit Mitte Dezember Gegenstand. Der heutigen Stunde sind
folgende Turnelemente vorausgegangen: Absprungübungen auf dem Sprungbrett, Absprünge mit
Aufknien auf den Kasten sowie Übungen an der Kastentreppe mit Niedersprüngen. Außerdem wurden
vielfältige Balancierübungen und die Rolle vorwärts geübt bzw. eingeführt. Es stehen zu dieser
Stoffeinheit noch 5 Unterrichtsstunden zur Verfügung. Dem folgt ein Zyklus „Spiele und
Spielformen".
1.2. Sachanalyse
- Um welche Sache geht es? Was soll der Schüler
lernen und welche fachwissenschaftlichen Grundlagen sind für den Lerngegenstand bedeutsam?
Die Stunde wird in drei Abschnitte gegliedert:
- Erwärmung (Gummiband)
- Hauptteil (Riegenwechselbetrieb, Hauptstation Aufhocken auf den Kasten)
- Abschluss („Ein Schiff geht unter").
In der Erwärmung soll der Schüler mit dem Gummiband vielseitige und abwechslungsreiche
Bewegungserfahrungen sammeln. Diese Zauberschnur wird als Hindernis, als Hilfsgerät oder als
Gymnastikgerät verwendet. Dabei wird die Muskulatur effektiv erwärmt.
Hauptziel dieser Stunde ist die Hinführung zum Aufhocken auf den Kasten. Dem sind
Absprungübungen und das Aufknien vorausgegangen.
Aufknien: - Nach kurzem Anlauf beidbeiniger Absprung, beide
Hände greifen weit nach vorn (Aufstützstelle mit Kreide markieren), die Hände setzen flach
mit geschlossenen Fingern nach vorn zeigend auf. Im Moment des Aufstützens werden die Beine
angezogen zum Knien auf dem hüfthohen Kasten.
Aufhocken: - Jetzt etwas kräftiger abspringen, die Beine werden
angehockt, wobei die Zehenspitzen nach oben gezogen werden müssen. Wichtig ist hier die
Sicherheitsstellung und Hilfeleistung. Der Klammergriff sollte vom Helfer angewandt werden.
Weiter Übungsstationen sind die Rolle vorwärts, das Klettern an der Sprossenwand, sowie
Balancierübungen auf der Schwebekante der Turnbank.
Rolle vorwärts: - Aus dem Hockstand greifen die Hände vor,
beidbeiniger Abdruck vom Boden, Aufstützen der flachen Hände schulterbreit auf dem Boden
(Finger zeigen nach vorn); Kinn an die Brust; runde Körperhaltung; Beugen der Arme; Auflegen
des Nackens auf dem Boden; Rollbewegung mit gestreckten Beinen; wenn die Brustwirbelsäule den
Boden berührt, werden die Beine zur Beschleunigung rasch angehockt. Die Bewegung führt in den
Hockstand ohne Nachschieben der Hände. Zur Auswahl stehen eine (ebene) Turnmatte, sowie eine
Turnmatte auf der schiefen Ebene. Beim Klettern ist der Ristgriff von Bedeutung, um Unfälle zu
vermeiden.
Ristgriff: - Die Hand umgreift die Sprosse so, dass der Daumen
unter der Stange liegt. Der „Affengriff" soll nur benutzt werden, wenn die Hände für den
Klammergriff zu klein sind. Dabei liegt der Daumen neben dem Zeigefinger. Es besteht
Abrutschgefahr! (vgl. Haupt, Schmaus, Winterstetter, S.80 - 135, 1987) Die Kinder erlangen
Erfahrungen im Steigen, Klettern, Hänge und Hangeln. Entscheidend ist die Koordination der
Hände und Beine. Bei Balancierübungen auf der Turnbank, der Schwebekante oder der erhöhten
Turnbank steht die Gleichgewichtsfähigkeit als koordinative Fähigkeit im Vordergrund. Aber
auch die Orientierungsfähigkeit wird geschult (durch Drehungen). Die Differenzierungsfähigkeit
ist bei dem Wechsel der Turnbänke (verschiedene Schwierigkeiten) bedeutsam. Im abschließenden
Spiel „Ein Schiff geht unter" wird die Orientierungsfähigkeit geschult und Geräte oder
Aufstellungsformen werden auf spielerische Weise eingeprägt. Die Reaktionsfähigkeit ist eine
weitere entscheidende Komponente für dieses Spiel. Gearbeitet wird mit Minuspunkten, um alle
Kinder immer teilnehmen zu lassen.
- Unter welchen Aspekten (Lehrplanaussagen) soll die
Sache gesehen werden?
Folgende Lehrplanzuordnungen aus dem Bereich Turnübungen lassen sich aufführen:
E: Verschiedene Lernbereiche (Lb) aus den Stoffgebieten
(Fachinterner Übergang)
H: Lb 1 - Vielfältige Bewegungserfahrung an Geräten sammeln
Lb 2 - Vielseitiges Rollen (Rolle vorwärts)
Lb 4 - Beidbeinig abspringen und „fliegen"
(Aufknien, Aufhocken, Niedersprünge)
Lb 6 - Gleichgewicht halten (Balancieren)
Lb 8 - Den
Körper kräftigen (Klettern an der Sprossenwand)
S: Leichtathletische Übungen: Lb 1 (Schnell laufen),
Lb 6 - (Schnell reagieren)
Spiele und Spielformen : Lb 1 - (Raum und Zeit),
Lb 3 (Miteinander und gegeneinander spielen)
- Welche Bedeutung hat die Sache für den Schüler?
Die Weiterentwicklung der motorischen Grundeigenschaften, wie Gewandtheit, Geschicklichkeit,
Stützkraft und Sprungkraft und das Klettern tragen zur Persönlichkeitsbildung bei. Der
Bewegungsapparat wird gekräftigt und die Angst soll beim Üben überwunden werden. Die
Bewegungsbedürfnisse der Kinder werden befriedigt.
- Welche fachinternen und fächerübergreifende
Zusammenhänge gibt es?
Beim Montagsgespräch über die sportlichen „Highlights" des vergangenen Wochenendes gibt es eine
Verbindung zum Deutschunterricht, dem mündlichen Sprachgebrauch. Angebahnt wird hier,
sportliche Höhepunkte zusammenhängend zu erzählen sowie aufmerksam zuzuhören. Gleicher Bezug
gilt bei der Beschreibung des Bewegungsablaufes. Eine Verbindung zum Mathematikunterricht
besteht beim Abzählen, um vier Übungsgruppen zu erhalten. Fachintern gibt es Parallelen zu
Spiele und Spielformen, aber auch zu den Leichtathletischen Übungen und den gymnastisch-
tänzerischen Übungen.
- Welche Zugänge zum Lerngegenstand lassen sich nutzen und in welchen Schritten kann die Sache erschlossen werden?
- Erfahrungen mit dem Federbrett (Gewöhnungsübungen),
- Absprungübungen vom Federbrett,
- Federn im Stand und Aufknien,
- kurzer Anlauf (5-7 Meter) und Aufknien nach dem Absprung,
- Anlauf, Aufhocken, Niedersprung.
Die Schritte 1 bis 4 wurden in zwei vorangegangenen Stunden durchlaufen. Auch der Niedersprung
wurde nach dem Überqueren einer Kastentreppe geübt.
- Welche Schwierigkeiten kann es für den Schüler bei
der Auseinandersetzung mit dem Lerngegenstand geben?
Da die letzte Sportstunde schon 14 Tage zurück liegt und das Aufknien bereits vor 3 Wochen
eingeführt wurde, kann bei einigen Kinder der Bewegungsablauf in Vergessenheit geraten sein.
Außerdem behindert die Angst einiger Mädchen vor dem Gerät die Ausübung des Lerngegenstandes.
- Welche Tätigkeiten muss der Schüler ausführen, damit
er den Gegenstand richtig erfasst?
Wichtig beim Aufhocken ist die gesamte Anlauf-Absprung-Koordination, besonders der beidbeinige
Absprung vom Sprungbrett. Der Schüler muss in der Lage sein, Merkmale des Bewegungsablaufes zu
erkennen und diese selbst umsetzen. Durch Gegenüberstellung von guten und weniger guten
Bewegungsabläufen wird zur Beobachtung angeregt. Dies soll zur Verbesserung des eigenen
Bewegungsablaufes dienen.
- Wie kann der Lerngegenstand durch Unterrichtsmedien
dargestellt werden?
Vielfältige Geräte werden benutzt, um die Effektivität zu erhöhen:
- Gummiband
- St. 1: Kasten, Sprungbrett, Turnmatte
- St. 2: Sprungbrett und Turnmatte als schiefe Ebene, Turnmatte
- St. 3: Sprossenwand, 2 Turnmatten
- St. 4: 3 Langbänke, 3 Medizinbälle, 2 Keulen
Zur Verdeutlichung beim Aufsetzen der Hände dienen Kreidemarkierungen auf dem Kasten.
1.3. Bedingungsanalyse
1.3.1. Lernvoraussetzungen der Schüler
1.3.2. Voraussetzungen beim Lehrenden
1.3.3. Organisatorische Bedingungen ...
2.Lernziele der Unterrichtsstunde
Die Schüler lernen in dieser Stunde
- das Aufhocken auf den breitgestellten Kasten nach kurzem Anlauf und beidbeinigen
Absprung
Weitere Lernziele sind:
- Vervollkommnung der koordinativen Fähigkeiten, insbesondere Gleichgewichtsfähigkeit,
Reaktionsfähigkeit und räumliche Orientierungsfähigkeit;
- Sammeln und Weiterentwickeln von Grunderfahrungen im Steigen, Klettern, Hangeln,
Balancieren, Springen und Rollen;
- Bewegungsfreude steigern und Angst vor den Geräten (Kasten, Sprossenwand, Langbank)
und dem Sprung abbauen.
3. Darstellung des Verlaufs
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4. Begründung des Verlaufs
Die Sportstunde plane ich nach der Aufstellung einer allgemeinen Sportstunde, untergliedert in
Erwärmung, Hauptteil und Schluss. Dabei soll die Erwärmung den gesamten Kreislauf des Kindes
belasten und die Muskulatur erwärmen. Mit Hilfe der Zauberschnur ist es gut möglich, die
Schüler zum Gruppenerleben zu führen, wobei die Schnur das Bindeglied zwischen den Übenden ist.
Um das Aufhocken auf den Kasten einzuführen suche ich eine Variante, um effektiv zu üben und
individuell auf einzuprägende Bewegungsmuster einzugehen. Dafür scheint mir ein
Riegenwechselbetrieb angebracht. Somit kann an verschiedenen Stationen individuell geübt
werden. An einer Station soll die Rolle vorwärts nochmals geübt werden, da die meisten Kinder
noch mit den Händen nachstützen. Als Differenzierungsmöglichkeit biete ich den Schüler
zusätzlich die schiefe Ebene an. Eine weitere Station soll die Hang- und Griffsicherheit der
Kinder verbessern. Dazu sollen sie an der Sprossenwand klettern. Je nach Leistungsstand wird
die Höhe vom Schüler selbst gewählt. Von dieser Kraftübung (auch Koordination) geht es zu
einer reinen Koordinationsübung, dem Balancieren. Drei verschiedene Auswahlmöglichkeiten
stehen den Kindern zur Verfügung. Die Langbank, die Schwebekante sowie eine erhöhte Langbank.
Medizinbälle und Keulen erhöhen den Schwierigkeitsgrad (werden getragen oder liegen als
Hindernis bereit). Geübt werden sollen Drehungen, Sprünge und Gehschritte. Bei der Station, wo
das Aufhocken eingeführt werden soll, wiederholen die Kinder zunächst das Aufknien, um den
Bewegungsablauf in 'Erinnerung' zu rufen. Ein Niedersprung beendet die Wiederholungsphase.
Nach dem Erklären des Turnelements und des Bewegungsmusters wird das Aufhocken erstmals
probiert. Da die Sicherheitsstellung an dieser Station wichtig ist, bleibt wenig Zeit auf die
anderen Stationen einzugehen. Damit sollen die Kinder zum selbständigen Üben gebracht werden.
An jeder Station soll immer 6 min geübt werden. Ein zügiger Wechsel folgt auf Pfiff. Die
Kinder kennen die Funktion der Pfeife. 1 mal pfeifen üben einstellen, Grundstelle vorlinks in
Reihe an der Station, 2.Pfiff Wechsel, 3.Pfiff üben. Nach einem Umlauf soll noch einmal jeder
Schüler einen Sprung absolvieren. Dabei haben die anderen Schüler die Aufgabe, den Übenden zu
beobachten. Als Motivation gilt, dass soviele Schüler wie möglich die Turnübung bewältigen.
Nach einer Auswertungsphase folgt das Spiel „Ein Schiff geht unter". Verschiedene Geräte
werden genannt, welche die Schüler in kürzester Zeit erreichen sollen. Wer als letztes das
Benannte erreicht erhält einen Strafpunkt. Verlierer ist, wer die meisten Strafpunkte gesammelt
hat. Um die Effektivität zu erhöhen, werden im Laufe des Spiels Geräte oder Aufstellungsformen
schneller hintereinander gerufen, sodass die Kinder schnell reagieren müssen. Hintergründig
möchte ich mit diesem Spiel die Kondition und die Gerätebezeichnungen bzw. Aufstellungsformen
festigen.
Literatur
- Bucher, Walter: 1000 Spiel- und Übungsformen zum Aufwärmen. Verlag Karl Hofman, 73614
Schorndorf. 7., unveränderte Auflage, 1996.
- Haupt, U. / Schmaus, L. / Winterstetter, S.: Praxis des Sportunterrichts in der
Grundschule. Oldenbourg Verlag München, 1987.
- Hirtz, Peter: Koordinative Fähigkeiten im Schulsport. Verlag Volk und Wissen, Berlin,
1985.
- Knappe, Willi / Köhler, Hermann: Unterrichtshilfen Sport. Klasse 1. Verlag Volk und
Wissen, Berlin, 1986.
- Moritz, Herbert: Unterrichtshilfen Sport Klassen 1 - 3. Verlag Volk und Wissen,
Berlin, 1990.
- Lehrplan Grundschule Sport. Klassen 1 - 4. Sächsisches Staatsministerium für Kultus,
1992
- Scholich, Manfred: Kreistraining. Sportverlag Berlin, 1988.
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